Holger Wolf
 

Teilhabe

Eine Behinderung ist nicht die Eigenschaft einer einzelnen Person, sondern ein Phänomen, mit dem die Mehrheitsgesellschaft gegenüber einer von ihr konstruierten Minderheit agiert.

Menschen mit einer Behinderung gelten schnell als Randgruppe. Doch ist der Rand zumeist nicht da, wo man von anderen hingestellt wird?  

Anstelle zu versuchen, Menschen einer Gesellschaft zuzuführen, der sie vermeintlich nicht angehören, bedeutet Inklusion doch vielmehr, eine von Geburt an bestehende Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten.

Nicht “Andersheit” ist das Problem, sondern Benachteiligung.

Dabei ist Inklusion etwas, was von zwei Seiten passiert und somit auch von Menschen mit einer Behinderung selbst ausgehen muss.

Von einem barrierefreien Alltag sind wir noch weit entfernt. Noch immer werden in Städten und Dörfern zu hohe Bürgersteige gebaut, es fehlt an barrierefreien Straßenschildern und frei zugängliche Toiletten sucht man meist vergebens. Haltestellen sind auf dem Land selten barrierefrei und auch an manch einem Bahnhof ist der Ein-/Ausstieg für Rollstuhlfahrer nicht in beide Richtungen möglich.

Menschen mit einer Einschränkung haben auch kaum eine Chance, aus den Werkstattsystemen in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukommen.

Dabei hat das oftmals nichts mit ihrer Eignung zu tun. Das System ist gar nicht darauf ausgelegt, die Betroffenen aus der Werkstatt in den Arbeitsmarkt zurückzuführen.


Doch die Aufgaben in diesem Bereich sind noch viel größer. Es fehlt noch immer an der Akzeptanz für ein „Anders-sein“. Unsere Gesellschaft zieht bei der Toleranz oftmals harte Trennlinien. Das zeigt sich nicht nur im Bereich der Teilhabe, sondern beispielsweise auch an der zunehmenden Klagewut gegen Kindergärten und Spielplätze. Wobei sich die Menschen meiner Erfahrung nach in Rheinland-Pfalz sehr viel offener zeigen als in anderen Bundesländern.

 
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