Holger Wolf
 

Gesundheit

Eine gute medizinische Versorgung darf weder vom Geldbeutel noch vom Wohnort abhängen.

Wir brauchen eine Bürgerversicherung, zu der alle ihren Beitrag leisten. Wer gut verdient, der zahlt auch mehr. Dabei können wir den Mittelstand aber nicht immer weiter belasten. Diejenigen, die sich noch gar nicht beteiligen, sind aber gefragt, sich einzubringen.

Die Deckelung der Versichertenbeiträge gehört in ihrer jetzigen Form aufgehoben und durch ein solidarisches System ersetzt.

Wer mehr als die gesetzlichen Leistungen wünscht, kann sich für diese Bereiche zusätzlich (privat) versichern. Zudem sollten wir weg von einem System, in welchem gesetzliche Krankenkassen teure Werbekampagnen starten, um möglichst viele Kunden gewinnen zu können. Dieses Geld gehört in das System, zu den Versicherten, in Leistungen und Gehälter.

Die Förderung der häuslichen Pflege muss weiter ausgebaut werden. In noch immer zu vielen Fällen müssen Menschen in Pflegeeinrichtungen ziehen, weil die angebotenen häuslichen Hilfen dem eigentlichen Bedarf nicht ausreichend gerecht werden.  

Wenn doch eine Heimaufnahme ansteht, braucht es eine landesweite Pflegeplatzbörse, damit Betroffene und ihre Angehörigen nicht mühsam nach Einrichtungen suchen und bei jeder einzelnen Einrichtung nach freien Plätzen fragen müssen. Dabei sollte die Teilnahme an dieser Pflegebörse für die Einrichtungen verpflichtend sein. Neben den Seniorenheimen sollten sich auch Einrichtungen der Jugendpflege und psychiatrische Pflegeeinrichtungen in diesem Register wiederfinden.  

Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich sagen, dass Menschen noch viel zu häufig in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern fixiert bzw. durch freiheitsentziehend wirkende Maßnahmen in ihrem Bewegungsdrang eingeschränkt werden. Chronischer Personalmangel, ein zu niedriger Personalschlüssel und eine fehlende Ausbildung im Umgang mit psychischen Krankheitsbildern sind da ein großer Faktor.  

Patientenrechte werden gerade im psychiatrischen Bereich immer wieder ausgehebelt. So unterliegt die Überwachung durch Sensorsysteme und Kameras beispielsweise in der Regel keiner gerichtlichen Genehmigungspflicht. Hier müssen wir nachbessern.

Wie soll man überhaupt schnell genesen, wenn man in einer psychiatrischen Einrichtung in einem 5-Bett-Zimmer liegt?

Dabei nimmt der Arbeitsdruck und leider eben auch die Behandlungsbedürftigkeit in unserer Leistungsgesellschaft immer weiter zu.  

Wir brauchen mehr Prophylaxe und niedrigschwellige Hilfsangebote. Im Falle von traumatischen Erlebnissen braucht es schnelle Hilfen und keine mehrmonatigen Wartezeiten. 

Viel zu oft rufen Menschen den Rettungsdienst oder suchen selbstständig Krankenhäuser auf, obwohl sie eigentlich keiner stationären Behandlung bedürfen.

Dies führt zu einer hohen Belastung der Rettungsdienste sowie der Notfallambulanzen. Dadurch werden Kapazitäten unnötig gebunden, welche man eigentlich für akute Notfälle benötigt. Die Arbeitszeiten, insbesondere beim ärztlichen Personal in Krankenhäusern, aber auch beim Rettungsdienstpersonal und in der Pflege sind zu hoch. Vor allem die Bereitschaftszeiten bieten ein zu großes Schlupfloch. Gerade im Bereich der Pflege, ob ambulant in Pflegeheimen oder in Krankenhäusern brauchen wir mehr Personal und für dieses vor allem mehr Wertschätzung.

Die Kooperation zwischen ambulanten Praxen und Kliniken muss attraktiver gestaltet und insgesamt ausgebaut werden. Hausärztliche Notdienste sollten die Versorgung von immobilen Patienten, insbesondere auf dem Land, sicherstellen. Hier kann auch der Ausbau der Telemedizin und der dafür erforderlichen Infrastruktur einen wichtigen Beitrag leisten. Keinesfalls darf es zu weiteren Klinikschliessungen kommen.  

Wir brauchen eine bessere gesundheitliche Bildung. Diese sollte frühzeitig in den Schulen beginnen.  

 
E-Mail